November 19, 2019

Bestattungen sind in Deutschland extrem teuer und können schnell in die Tausende gehen. Bestatter und traditionelle städtische oder kirchliche Friedhöfe zocken gnadenlos ab.

Die Kosten einer Einäscherung inkl. Sarg beginnen bei etwa 700 bis 900 Euro. Särge aus Polen kosten ab 50 Euro, werden von Bestatter teilweise für 1.500 Euro verkauft. Durchschnittlich bezahlt man für einen günstigen Sarg fürs Krematorium in Deutschland ab 300 Euro.

Ein Sarg fürs Krematorium? Macht nicht wirklich Sinn. Doch der Sargzwang bröckelt: Viele Bundesländer haben die Sargpflicht für Muslime aufgehoben. Die Bestattung erfolgt im Leichentuch. Länder wie Bayern halten weiter an der Sargpflicht daran fest.

Die Friedhofsgebühren bewegen sich bei einem Urnengrab bei rund 800 Euro bei 20 Jahren Nutzungsdauer. Allerdings sind die Preise bundesweit je nach Anbieter sehr unterschiedlich, von 500 Euro bis 1.250 Euro. Für die Beisetzung kassieren die Friedhöfe ebenfalls zwischen 150 und 500 Euro ab.

Nach 20 Jahren Nutzungsdauer des Grabes wird oberflächlich geräumt, das heißt, Grabstein und Umfassung entfernt und meist Rasen gesät. Ausgehoben werden die Gräber nicht. Nach einer gewissen Ruhezeit, wird das Grab neu vergeben. Manchmal kommen dabei Oberschenkelknochen oder Schädel zutage, die dann aber im Grab verbleiben und wieder beigesetzt werden.

Die Anzahl der Feuerbesattungen ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen: Waren es 1950 noch rund 8 Prozent, lag die Zahl 1985 schon bei rund 20 Prozent. Zahlen von 2015 nach, lagen die Feuerbestattungen bei rund 60 Prozent: Tendenz steigend.

Bestatter: Das Geschäft mit dem Tod

In Deutschland sind mehr als 5000 Bestattungsfirmen registriert, die jährlich mehr als 15 Milliarden Euro umsetzen. Bestatter ist in Deutschland kein geschützter Begriff. Eine Gewerbeanmeldung reicht.

Statt Friedhofzwang: Bestattung im eigenen Garten

In Deutschland gibt es den Friedhofzwang seit 1794, festgeschrieben im allgemeinen preußischen Landrecht. Doch der klassische Friedhof verliert immer mehr an Bedeutung. Immer mehr wüschen sich, Angehörige im eigenen Garten zu bestatten.

Als erste Stadt in Deutschland erlaubte Bremen 2015 die Urnen Bestattungen im eigenen Garten. In vielen Bundesländern gab es in den letzten Jahren Versuche, den Friedhofzwang zu lockern, scheiterte aber stets an der Lobby der Friedhofbetreiber und Bestatter. Auch die CDU war dagegen.

Um den Friedhofzwang zu umgehen, bieten seit vielen Jahren einige Bestatter die Möglichkeit durch Re-Import die Urne mit der Asche des Verstorben nach Hause mitnehmen zu düren. Wenn die Urne einmal ins Ausland überführt wurde, hat sich die Sache für Deutschland erledigt. Die Urne wird nach Tschechien, in die Niederlande oder die Schweiz gebracht und danach wieder zurückgebracht.

Das Landgericht München verbot einem bundesweit tätigen Billigbestatter aus Hamburg das Sonderangebot "Urne Zuhause" unter Androhung eines Ordnungsgeldes von 250.000 Euro. Als Grund wurde der Verstoß gegen den Friedhofzwang genannt.

Über 60 Prozent der Verstorben werden im Krematorium verbrannt. Die Beisetzung aber findet immer seltener auf dem tradionellen Friedhof statt. Dagegen boomen alternative Bestattungsformen wie Ruhewäler oder Seebestattungen.

Viele können Bestattung nicht mehr bezahlen

2017 konnten sich rund 21.500 Menschen in Deutschland die Bestattung ihrer Angehörigen nicht mehr leisten und waren dabei auf Unterstützung vom Sozialamt angewiesen. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Sogenannte Sozialbestattungen kosteten die Kommunen 2017 rund 60 Millionen Euro.

Kommunen verkaufen Zahngold von Toten

Immer mehr Städte verkaufen das Zahngold vnn Toten. 2012 "verdiente" die Stadt Dortmund mit Zahngold rund 30.000 Euro, Duisburg das Doppelte, in Süddeutschland kommen Städte sogar auf ein Vielfaches.

Von rund 850.000 Menschen, die pro Jahr in Deutschland sterben, lassen sich immer mehr einäschern. Die Rohstoffpreise für Gold oder Titan, wie es im Implantaten verwendet wird, bringen nach unterschiedlichen Berechnungen zwischen 50 und 80 Euro.

Der Bundesverband Deutscher Bestatter empfindet das als pietätslos: "Wir sind dagegen, dass Tote dermaßen ausgeschlachtet werden", meinte Präsident Christian Streidt.

Ob es sich bei Zahngold oder Implantaten um Teile des Toten handelt ist juristisch umstritten. Das Hamburger Oberlandesgericht entschied 2011, das Asche von Verstorbenen juristisch eine "Sache" und "herrenlos" sei — die Entnahme metallener Rückstände sei also keine Störung der Totenruhe und erst recht kein Diebstahl. Allerdings wurde der Skandal im Hamburg vor Jahren bekannt, bei dem Mitarbeiter des Krematoriums Zahngold und Schmuck aus der Totenasche entwendet hatten.

Die Stadt Dortmund, wo wie in Duisburg jährlich um die 5.000 Einäscherungen vorgenommen werden, schrieb in seiner Friedhofssatzung fest, das Angehörige mit ihrer Unterschrift auf "die mit der Leiche fest verbundenen Körperimplantate" verzichten. Auch der Umstand, das manche Städte und Gemeinden wie Hamm oder Werl die Erlöse an gemeinnützige Organisationen spenden, macht die Sache nicht besser.

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